Uhr

Zwölfstundentag – nur mit Zeiterfassung

Wie auch immer die neue Regelung für einen Zwölfstundentag im Detail aussehen wird, wird die Handhabung für jeden Arbeitgeber die Notwendigkeit der Nutzung einer leistungsfähigen EDV-gestützten Zeiterfassung erhöhen.

Die Koalitions-Verhandler einer neuen Österreichischen Bundesregierung haben angekündigt den Zwölfstundentag generell erlauben zu wollen. Das hat natürlich ein gewaltiges mediales Echo ausgelöst. Von der Ausbeutung der Arbeitnehmer bis zum Handlanger der Großindustrie wurden diese Pläne seitens der Arbeitnehmervertretungen (Gewerkschaft, Arbeiterkammer) verteufelt.

Obwohl natürlich zu diesem Zeitpunkt noch kein konkreter Entwurf eines Gesetzestextes vorliegt haben aber Vertreter der verhandelnden Parteien erklärt, dass diese Ausweitung nicht durch Erhöhung der regelmäßigen höchstzulässigen Normalarbeitszeiten (dzt. täglich 8 Stunden, wöchentlich 40 Stunden) erfolgen soll. Ebenso wurde verlautbart, dass die neue Regelung nichts an der Praxis der Handhabung von Überstundenbezahlungen ändern soll. Das Österreichische Arbeitszeitgesetz (AZG) sieht ja derzeit neben der Grenzen für die Normalarbeitszeit auch Grenzen für die tägliche und wöchentliche Höchstarbeitszeit (dzt. 10 Stunden bzw. 50 Stunden) vor. Also es darf auch jetzt über die Normalarbeitszeit hinaus gearbeitet werden. Überschreitungen der Normalarbeitszeit müssen aber in Form von Überstunden mit mindestens 50% Zuschlag bezahlt werden.  Nur im Rahmen von Gleitzeitvereinbarungen dürfen Grenzen der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit, ohne Auszahlung von Überstunden überschritten werden, wenn  innerhalb einer Gleitzeitperiode im Durchschnitt nicht mehr als die Normalarbeitszeit gearbeitet wird.

Man muss davon ausgehen, dass die neue Regierung mit der geplanten Maßnahme vor allem den Arbeitgebern mehr Chancen einräumen möchte Arbeitszeiten so flexible zu gestalten, dass in auftragsstarken Zeiten mehr gearbeitet werden darf als bisher, aber dafür in Zeiten geringerer Beschäftigung Mitarbeiter mehr Freizeit genießen dürfen. Das bedeutet in jedem Fall, dass nicht nur die Grenzen der höchstzulässigen Arbeitszeiten angehoben werden, sondern dass auch die Gleitzeitperioden länger werden.

Wie auch immer diese neue Arbeitszeitregelung im Detail aussehen wird, kann man aber bereits jetzt davon ausgehen, dass Hauptgewinner jene Unternehmen sein werden, die schon jetzt ein vernünftiges EDV-gestütztes Zeiterfassungssystem haben. Je länger eine Gleitzeitperiode dauert umso schwieriger wird es eine korrekte Abrechnung der geleisteten Arbeitszeiten vorzunehmen und Überschreitungen oder Unterschreitungen der Normalarbeitszeiten zu ermitteln. Je länger die zulässige tägliche und/oder wöchentliche Arbeitszeit ist umso wichtiger ist auch, diese exakt zu ermitteln. Das AZG sieht ja neben der bereits erwähnten Höchstgrenzen für Arbeitszeiten auch Regelungen für die Einhaltung von Pausen vor. Pausen sind Unterbrechungen der bezahlten und angerechneten Arbeits- oder Anwesenheitszeit. Es liegt nahe, dass im Zuge einer Novelle des AZG auch das Thema Pausen neu geregelt wird, so dass ein Zwölfstundentag wahrscheinlich mit deutlich längerer Anwesenheitszeit verbunden sein wird. Von der reinen Anwesenheitszeit (also der Zeitspanne zwischen der Kommt- und Geht-Buchung) müssen die einzuhaltenden Pausen (derzeit mindestens 30 Minuten nach 6 Arbeitsstunden) abgezogen, oder über die Zeiterfassung „gestempelt“  werden um die tatsächliche Arbeitszeit zu ermitteln. Auch dafür ist ein leistungsfähiges Zeiterfassungsprogramm unerlässlich.