Mann mit Arbeit überfordert, Chaos am Schreibtisch

Zeiterfassung oder Leistungserfassung

Die Frage ob Zeiterfassung oder Leistungserfassung stellt sich bei Dienstnehmern im Sinne des Österreichischen Arbeitszeitgesetzes (AZG) eigentlich gar nicht. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet die Arbeitsstunden seiner Arbeitnehmer aufzuzeichnen (§26 AZG).

„Wir benötigen keine Zeiterfassung, unsere Mitarbeiter werden nach Leistung und nicht nach ihrer Anwesenheitszeit bezahlt“

Das ist ein oft verwendetes Argument, weshalb manche Betriebe oder Organisationen auf den Einsatz eines Zeiterfassungs-Systems verzichten oder dieses ablehnen. Leider wird dabei sehr oft übersehen, dass die Frage Zeiterfassung oder Leistungserfassung keine Entweder-oder Frage ist.

Zeiterfassung schließt eine Leistungserfassung in keiner Weise aus. Fast alle modernen Systeme für Zeiterfassung bieten Zusatzfunktionen für die Erfassung und Dokumentation von Leistungen an. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine echte Betriebsdatenerfassung handeln (siehe dazu auch: https://www.gecosoft.at/blog/arbeitszeiterfassung-leistungserfassung/).

Bevor wir aber dieses Thema noch etwas ausführlicher analysieren, sollten wir versuchen den Begriff der Leistung im Sinne des zu Beginn angeführten Satzes zu definieren bzw. zu verstehen. Unter Leistung verstehen die meisten Unternehmer und Arbeitgeber Ergebnisse in Relation zu einer erfolgten Zielsetzung. Oft geht es dabei um  materiell messbare Geldwerte wie Umsatz oder Deckungsbeitrag oder um eine quantitative Größe, wie Anzahl von Kunden, Aufträgen, Neukontakten oder Ähnliches. Natürlich können auch qualitative Werte wie Kundenzufriedenheit in die Leistungsdefinition fließen.

Wenn der Satz am Beginn dieses Beitrags Gültigkeit haben soll und die betroffen Personen/Mitarbeiter ausschließlich nach Leistungskriterien entlohnt werden, dann stoßen wir dabei auf ein Grundsatzproblem des Österreichischen Arbeitsrechts. Wenn „Mitarbeiter“ ausschließlich nach erbrachter Leistung entlohnt werden und diese Leistung zeitlich und örtlich frei und selbständig erbringen können werden wir es höchstwahrscheinlich mit einem Werkvertrag oder einem sogenannten freien Dienstnehmer zu tun haben.

Für echte Dienstverhältnisse im Sinne des AZG (§1) muss der Arbeitgeber aber auch die Arbeitszeiten im Sinne dieses Gesetzes aufzeichnen und, je nach Zugehörigkeit des Dienstnehmers (Arbeiter, Angestellter und Kollektivvertrag) auch auf Basis einer regelmäßigen täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit in Stunden vereinbaren.

Natürlich schließt die Tatsache, dass es sich um ein Arbeitsverhältnis im Sinne des §1 AZG handelt nicht aus, dass Mitarbeiter neben einem Grundentgelt auch Leistungsbezogene Entlohnung beziehen. Je nach Definition dieser Entlohnung, die oft auch als Leistungslohn, Erfolgsprämie oder Provision bezeichnet wird, kann ein Zeiterfassungssystem dafür nützlicher Dienste leisten.

Moderne Zeiterfassungs-Systeme bieten umfangreiche Möglichkeiten um neben den täglichen Beginn- und Endzeiten der Arbeit bzw. Anwesenheit auch Zusatzdaten zu erfassen. Dabei kann es sich um rein quantitative, numerische Werte handeln, wie z.B. eine Auftragsnummer, eine Kostenstelle oder eine Kunden- oder Projektnummer.

Je nach Ausprägung und Definition der Leistungsziele können über ein Zeiterfassungssystem auch qualitative Daten erfasst und bewertet werden. Im Rahmen einer Zeit- und Betriebsdatenerfassung spricht man bei Qualitätsdaten z.B. von Gutmengen, Ausschuss, Stand- oder Stillzeiten oder Auslastungswerten. In gleichem Maße können über entsprechend konfigurierte Systeme auch nicht quantitative Qualitätswerte, wie Zufriedenheiten oder Ähnliches erfasst werden. Denken Sie dabei an Telefongespräche oder Internet-Kontakte zu Unternehmen, bei denen Sie aufgefordert werden am Ende Fragen zu beantworten. Diese Daten werden in der Regel auch für die Leistungsbewertung bestimmter Mitarbeiter herangezogen und mit dem Zeiterfassungs- oder Betriebsdatenerfassungs-System dokumentiert und ausgewertet.

Zeiterfassung oder Leistungserfassung ist daher kein Widerspruch sondern eine logische Ergänzung.