Auswirkungen der Karenz auf die Zeiterfassung

Karenz: Auswirkungen auf die Zeiterfassung

Da während einer Karenz in der Regel das Arbeitsverhältnis nicht  unterbrochen wird, ist es nicht richtig karenzierte Mitarbeiter aus dem Zeiterfassungssystem komplett auszuschließen oder inaktiv zu setzen.

 

Begriff(e) der Karenz
Karenz im eigentlichen Sinne bedeutet eine zeitlich befristete Unterbrechung, Freistellung oder Aussetzung einer Sache. Im Bereich des Arbeitsrechts versteht man unter Karenz die befristete Freistellung des Arbeitnehmers von der Arbeitspflicht und die Freistellung des Arbeitgebers von der Verpflichtung der Entgeltzahlung. Diese Definition impliziert, dass für den Zeitraum der Karenz das Vertragsverhältnis aufrecht bleibt. Es entfallen für diesen Zeitraum lediglich bestimmte Verpflichtungen und Rechte.

In der Praxis gibt es eine Reihe von Formen der Karenz, die auch durch diverse Gesetze des Österreichischen Arbeitsrechts definiert sind. Zu den bekanntesten Formen gehören:

Elternkarenz (Mutterschutzgesetz-MSchG /Väterkarenzgesetz-VKG)

Präsenzdienst Freistellung (Arbeitsplatzsicherungsgesetz-APSG)

Bildungskarenz (dafür gibt es keine rechtliche Verpflichtung des Arbeitgebers, jedoch eine klar geregelte finanzielle Unterstützung/Förderung des Arbeitnehmers durch das AMS)

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der freiwilligen Karenz, die individuell zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden kann. Diese Form wird oft auch als „unbezahlter Urlaub“ bezeichnet.

Fälschlich als Karenz bezeichnet werden Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine Wiedereinstellung nach beendetem Arbeitsvertrag.

 

Karenz und Zeiterfassung
Da in der Karenz die Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Arbeitsleistung entfällt, ist es naheliegend anzunehmen, dass karenzierte Mitarbeiter im Zeiterfassungssystem nicht geführt werden. Dies ist auch die gängige Praxis.

Aus aktuellem Anlass (neuer Kollektivvertrag der Metallindustrie ab 1.11.2016) ist diese Praxis jedoch zu hinterfragen. Der Kollektivvertrag sieht vor, dass auch Zeiten der Karenz (Elternkarenz) für die Berechnung bestimmter dienstzeitabhängiger Ansprüche, wie z.B. Urlaubstage pro Jahr, Jubiläumsgeld angerechnet werden.

Da Zeiterfassungs-Systeme meist auch für die Aufzeichnung und Erfassung von Abwesenheiten und v.a. für die Berechnung der aktuellen Urlaubsansprüche genutzt werden, ist es unter Umständen doch sinnvoll auch karenzierte Mitarbeiter im Zeiterfassungssystem aktiv zu führen. Dazu muss jedoch eine entsprechende Abwesenheitsart (Karenz) definiert und implementiert werden.