Arbeitszeitgesetz Paragraph

Besonderheiten der Zeiterfassung in Österreich

Die arbeitsrechtlichen und steuerrechtlichen Vorgaben betreffend Gestaltung und Abrechnung der Arbeitszeiten von Dienstnehmern unterscheiden sich maßgeblich von den Vorgaben anderer Länder, im Besonderen zu Deutschland und der Schweiz. Dadurch ist der Einsatz von Softwarelösungen für Zeiterfassung in Österreich nur dann sinnvoll, wenn die Programme die speziellen Anforderungen für Österreich erfüllen.

 

Der Zweck einer EDV gestützten Zeiterfassung ist nicht nur die Kontrolle der Anwesenheit  von Dienstnehmern. Zeiterfassungssoftware dient v.a. der Abbildung von Arbeitszeitmodellen. Die Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeiten und Abwesenheiten (Urlaube, Krankenstände, etc.) ermöglicht die Ermittlung von Abweichungen zum Arbeitszeitmodell und die Berechnung von Mehrstunden, Überstunden und zeitabhängigen, lohnrelevanten Daten.

In Österreich gibt es seit 1969 das Arbeitszeitgesetzes (AZG), das auch die rechtliche Grundlage für die Einführung von flexiblen Arbeitszeitmodellen (Gleitzeit) darstellt. Die Handhabung von Gleitzeitregelungen gemäß AZG war der wichtigste Grund für den Einsatz EDV gestützter Zeiterfassungssystemen in Österreich seit 1970. Wer seinen Dienstnehmern ein Gleitzeitmodell ermöglicht muss in Österreich nicht nur die täglichen Plus- oder Minus-Stunden gegenüber der Sollzeit des Arbeitszeitmodells errechnen. Das AZG sieht eine Fülle von Regelungen für tägliche, wöchentliche und monatliche Maximalarbeitszeiten und für die Einhaltung von Pausen und Ruhezeiten vor. Zusätzlich werden im AZG auch die Begriffe der Normalarbeitszeit, Schichtarbeitszeit, Nachtarbeitszeit, Mehrarbeitszeit und Überstunden definiert. Diese Definitionen und die damit verbundenen Regeln begründen eine der österreichspezifischen Besonderheiten  für ein Zeiterfassungssystem.

Das Österreichische Arbeitsrecht besteht aus fast 40 Einzelgesetzen. Darüber hinaus werden in einer Vielzahl von branchenspezifischen Kollektivverträgen (KV) Sonderformen betreffend Gestaltung und Handhabung von Arbeitszeit geregelt.

Das Österreichische Steuerrecht birgt ebenfalls eine Reihe von Besonderheiten, die von einem guten Zeiterfassungssystem berücksichtigt werden müssen. Dies betrifft v.a. die Berechnung von Steuerbegünstigungen für diverse Zuschläge für erbrachte Überstunden und Nachtarbeitszeiten. Eine besondere Herausforderung für ein Zeiterfassungssystem ist die sogenannte „Blockzeit-Regelung“.

Während das AZG die Nacht als Zeit zwischen 22:00 und 05:00 Uhr definiert wird  in den meisten Kollektivverträgen die zuschlagspflichtige Nachtarbeitszeit als Arbeitszeit zwischen 20:00 Uhr und 06:00 Uhr bestimmt. Unabhängig davon sieht aber das Einkommensteuergesetz (EStG) vor, dass Zuschläge für Arbeitszeiten von 19:00 Uhr am Abend bis 07:00  Uhr in der Früh steuerfrei sind, wenn es sich um mindestens drei zusammenhängende Arbeitsstunden (Block-Zeit) handelt.

Eine Besonderheit des Österreichischen Arbeitsrechts ist auch die Definition und Handhabung von Ruhepausen und Ruhezeiten. Ruhepausen sind arbeitsrechtlich vorgeschriebene Unterbrechungen der täglichen Arbeitszeit (z.B. muss nach 6 Std. durchgängiger Arbeitszeit eine Ruhepause von zumindest 30 Minuten eingehalten werden). Ruhezeiten sind Zeiträume an denen Arbeitnehmer keine Arbeit verrichten dürfen. Diese Regelungen betreffen v.a. Zeiten nach Arbeiten außerhalb der vorgesehenen Normalarbeitszeit, an Wochenenden, Feiertagen und Nachtschichten. Auch hier gibt es neben den im AZG geregelten Bestimmungen unzählige branchenspezifische Sonderformen der jeweiligen KVs.