Arbeitszeitgesetz Paragraph

Beginn und Ende der Arbeitszeit in der Zeiterfassung

Erst, wenn man das Thema „Beginn“ und „Ende“ der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der österreichischen arbeitsrechtlichen Vorgaben genauer betrachtet, erkennt man die Bedeutung von Systemen der Arbeitszeiterfassung.

Das österreichische Arbeitsrecht definiert im Rahmen der jeweiligen Gesetze (v.a. Arbeitszeitgesetz, AZG) und eingehender Judikatur die Arbeitszeit als jene Zeit „…in der  Arbeitnehmer dem Arbeitgeber tatsächlich zur Entrichtung der Arbeit zu Verfügung stehen“. Obwohl es nur wenig höchstgerichtliche Entscheidungen zu diesem Thema gibt, kann aber daraus abgeleitet werden, dass v.a. Tätigkeiten wie An- und Ausziehen der Arbeitskleidung, Wege im Arbeitsgelände zum Arbeitsplatz oder Duschen nach der Arbeit nicht zur Arbeitszeit zählen.

Eine – aber sehr wesentliche-  Ausnahme dieser Ansicht  besteht, wenn die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit mittels „Stechuhr“ an einem zentralen Bereich (Betriebseingang) erfassen.

Der VGH hat zu diesem Thema entschieden, dass der Arbeitgeber durch das Aufstellen einer „Stechuhr“ dem Mitarbeiter signalisiert, dass damit auch die tatsächliche Arbeitszeit im Sinne des AZG beginnt bzw. endet. Die Höchstgerichte haben aber auch entschieden, dass darüber hinaus die genaue Definition von Beginn und Ende der tatsächlichen Arbeitszeiten und -stunden vereinbart werden kann.

Software für Zeiterfassung hat eine wesentliche Bedeutung

Dem Einsatz eines Zeiterfassungs-Systems kommt somit eine wesentliche Bedeutung betreffend Definition von Beginn und Ende der Arbeitszeit zu.

Arbeitgeber, die dieses Urteil des VGH bei Errichtung eines Zeiterfassungs-Systems übersehen und aus Gründen der Sparsamkeit die Arbeitszeiten für eine zu große Gruppe von Mitarbeitern an nur einem Gerät (egal ob „Stechuhr“ oder „Terminal“) erfassen, werden unter Umständen Überraschungen bei der Auswertung und Abrechnung der Arbeitszeiten erleben. Vor Einführung eines Systems für Zeiterfassung sollten daher folgende Überlegungen in Betracht gezogen werden.

Überlegungen vor Einführung eines Systems für die Arbeitszeiterfassung

Gibt es eine genaue Definition von Beginn und Ende der Arbeitszeit im Rahmen des Dienstvertrages oder einer Betriebsvereinbarung im Unternehmen?

Wenn nein:

  • Geräte für die Erfassung der Arbeitszeit/ Stunden (Terminals) sollten immer in der Nähe des tatsächlichen Arbeitsplatzes installiert werden. Im Idealfall kann dies der individuelle Arbeitsplatz sein.
  • Wenn die Mehrzahl der Arbeitnehmer einen PC an ihrem Arbeitsplatz verwenden empfiehlt sich somit der Erfassung der Arbeitszeiten auf dem PC-Arbeitsplatz mittels entsprechenden Programmen (somit gehören Tätigkeiten, wie Hoch- und Runterfahren des Rechners nicht zur Arbeitszeit.
  • Nötigenfalls die Einführung eines Zeiterfassungssystems durch entsprechende Vereinbarung(en) zu begleiten.

Wenn ja:

  • Prüfung, ob das Zeiterfassungssystem in der Lage ist, Arbeitszeitmodelle so zu definieren, dass allfällige Wegzeiten vom Terminal zum Arbeitsplatz und/oder Zeiten für Umkleiden und Duschen pauschal oder individuell von der „gestempelten“ Anwesenheitszeit abgezogen werden.

In diesem Fall müssen diese Weg- und Vorbereitungszeiten im Rahmen der Dienst- oder Betriebsvereinbarung klar definiert werden.

  • Unterschiedliche Erfassungsgeräte (Terminals, PC-Arbeitsplätze, Mobile-Geräte, App etc.) können gemäß der individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter eingesetzt werden.

 

Unabhängig von diesen Überlegungen, die v.a. Industrie und große Gewerbebetriebe und Unternehmen betreffen, ist die Definition von Beginn und Ende der Arbeitszeit immer auch von der jeweiligen Tätigkeit und dem Betriebsort abhängig.

Außendienst-Tätigkeiten, Arbeiten im Bau- und Baunebengewerbe, Dienstleistungen im Gesundheits- und Pflegebereich sowie Tätigkeiten im Homeoffice erfordern immer die Berücksichtigung der speziellen Rahmenbedingungen im Zuge der Arbeitszeiterfassung mittels EDV gestützter Systeme und Software.